Frühaufklärung und Marktanalyse, Der Konkurrenz auf der Spur

Von Melanie Amann So viel Konspiration hätte man Bad Nauheim gar nicht zugetraut. Der verschlafene Kurort im Taunus war in der vergangenen Woche Treffpunkt für Spione aller Länder. Aus mehr als 25 Staaten, von Amerika über Norwegen bis Zypern, waren Geheimdienstmitarbeiter angereist, um Erfahrungen und Ideen auszutauschen. Allerdings arbeiten sie nicht für ihre Regierungen, sie arbeiten in der Telekommunikationsbranche, der chemischen Industrie, der Logistik, der Automobil- oder IT-Branche. Alle haben gemeinsam, dass sie in ihren Unternehmen für die Feindbeobachtung zuständig sind. Sie spionieren keine Staatsgeheimnisse aus, sondern betreiben „Business Intelligence“: Sie finden heraus, was Wettbewerber als Nächstes vorhaben, welche neuen Produkte sie mit wem entwickeln und für welchen Markt.  „Competitive Intelligence“ (CI) heißt der Begriff, der sich seit Beginn der neunziger Jahre zunehmend für diese Art der Frühaufklärung und Marktanalyse etabliert. „Das ist nicht zu verwechseln mit Wirtschaftsspionage“, sagt Rainer Michaeli, Organisator der Konferenz und Direktor des Instituts für Competitive Intelligence (ICI). Seine Zunft nutze nur legale Mittel und öffentlich